Zürcher Finanzbrief Ausgabe 04/26

Der Zürcher Finanzbrief vom 18. Februar 2026

Zürcher Börsenbriefe - Zürcher Finanzbrief Ausgabe 04/26

 

Kevin Warsh wirft seinen Schatten voraus. Der von Präsident Trump nominierte, aber noch nicht durch den US-Senat bestätigte neue Fed-Chair, beginnt bereits jetzt Einfluss auf die Entwicklung an der Wall Street und damit auch an den europäischen Börsenplätzen zu nehmen. Denn Warsh bringt einige Charakteristika mit sich, die den Bullen überhaupt nicht schmecken. 

Im Mittelpunkt steht das Bestreben einer Deregulierung der US-Notenbank. Warsh ist ein Verfechter einer kleinen Notenbank, die sich ausschliesslich auf ihre Kernkompetenzen fokussiert. Wird er vom Senat bestätigt, was wahrscheinlich ist, wenn das US-Justizministerium die Ermittlungen gegen den amtierenden Fed-Chair Powell beilegt, und lässt Präsident Trump dem kommenden Fed-Chair Spielraum, dann werden wir in den USA eine 180-Grad-Wende bei der Notenbankpolitik sehen. Was heisst das konkret?

Die Federal Reserve hat seit den 70er-Jahren kontinuierlich neue Befugnisse hinzugewonnen. Angefangen vom zweiten Mandat, das nicht nur die Erhaltung der Kaufkraft umfasst, sondern auch die Stabilisierung des Arbeitsmarktes, bis hin zur Moderne, wo der Fed inzwischen implizit die Aufgabe zugekommen ist, den Staat mit einem künstlich niedrigen Marktzinsniveau durch die Hintertür zu finanzieren und als Plunge Protection Team aufzutauchen, wenn die Wall Street sich wieder einmal selbst ein Bein gestellt hat. Diese Vollkasko-Mentalität will Warsh beenden und die Fed wieder auf ihre Kernkompetenzen zurückführen. Für Sie ist wichtig: Mit Warsh wird das «Buy the dip» Schema enden. 

Die Wall Street nutzt die Ernennung von Warsh als Feigenblatt, um Gewinnmitnahmen zu rechtfertigen. Wir sind nun gute sechs Wochen im neuen Jahr und es lässt sich feststellen, dass die Wall Street sich trotz starker Unternehmenszahlen nicht nur in der Nähe der Rekordhochs der Benchmarks festgefahren hat, sondern der Aktienmarkt zur Schwäche neigt. Was wir hier sehen, ist der stille und leise Rückzug der institutionellen Investoren, die ihr Geld vom Tisch nehmen. Die Portfolios werden umgebaut und sicherer gemacht. Man entzieht den grossen Favoriten des letzten Jahres die Kapitalzuflüsse und hat gleichzeitig begonnen, sich gegen eine Korrektur am Aktienmarkt abzusichern. Diese Massnahmen haben dazu geführt, dass der Unterbau am Aktienmarkt wackelig geworden ist. Daraus ergibt sich keinesfalls die direkte Notwendigkeit für eine umfassende Korrektur oder gar einen Crash, aber die Wahrscheinlichkeit für sinkende Aktienkurse in den kommenden Wochen und Monaten ist deutlich gestiegen. Ich wiederhole mich daher:

Die Börse braucht eine Pause. Im besten Fall nur eine Konsolidierung, aber aufgrund der vielfach stark überzogenen Bewertungen, müssen Sie sich auf fallende Kurse einrichten. Ich habe daher in den letzten Wochen den Umfang der Absicherungen durch Stop-Loss-Limits stark ausgebaut und erste gezielte Verkäufe vorgenommen. Neben den Ausgaben des Zürcher Finanzbriefes nutze ich dazu vor allem auch unser Online-Portal und dort die täglichen Empfehlungen sowie die Kategorie «Wichtige Updates», wo ich Ihnen kurz und knapp Einschätzungen und Handlungsempfehlungen gebe, einschliesslich aktualisierter Stop-Loss-Listen. 

 

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

  • New York schafft den Break nicht.
  • Die institutionellen Investoren ziehen ihr Kapital aus den Schwergewichten ab.
  • Bullenfalle in Frankfurt.
  • Man versucht das Ruder noch rumzudrehen, aber die Wall Street lastet auf DAX und Co.
  • Ist Wien die Ausnahme?
  • Die Rallye seit November / Dezember ist beeindruckend, hat aber nichts mit der Konjunktur zu tun.
  • AI: China ist nicht zu stoppen.
  • Der Chinesen sind noch aggressiver als erwartet.
  • MiniMax bekommt nicht genug Aufmerksamkeit.
  • M2.5 löst einen Kaufboom aus.
  • ByteDance überrascht Hollywood mit einem sensationallen AI-Video-Modell. 
  • Netflix ist gut beraten, die Übernahme von Warner Bros. scheitern zu lassen.
  • Die Bibliothek von Warner wird durch AI entwertet. 
  • Rettet Trump die europäischen Sportwagenhersteller?
  • Die Deregulierung der Klimagesetze wird zu geringeren Kosten und höherer Qualität bei Autos führen.
  • Färbt die Deregulierung auf Europa ab? 
  • Porsche: Kurzfristig ist das Ende der Elektrostrategie von Bedeutung. 
  • Der Einstieg bei Ferrari kam genau richtig. 
  • Das tiefe Abstauberlimit bei Microsoft ist aufgegangen. 
  • Käufe: Affirm und Rational
  • Verkäufe: Delivery Hero, Deutsche Lufthansa, Stryker, TKMS, Zijin Gold
  • Stop-Loss-Limits: Update
  • Konservatives Musterdepot: Update
  • Spekulatives Musterdepot: Update