Zürcher Finanzbrief Ausgabe 08/26

Der Zürcher Finanzbrief vom 15. April 2026

Zürcher Börsenbriefe - Zürcher Finanzbrief Ausgabe 08/26

 

Der Iran bekommt Zuckerbrot und Peitsche. Ein klassischer Trump-Move. Ich hatte Ihnen vor zwei Wochen an dieser Stelle avisiert, dass der US-Präsident einen Deal suchen wird. Den Versuch haben wir auch bekommen, doch die (ersten) Friedensverhandlungen scheiterten, weil der Druck zur Einigung weder bei den Amerikanern noch Iranern gross genug ist. Auf die Zurückweisung des Zuckerbrots folgt nun die Peitsche für das Terror-Regime. 

Auf den ersten Blick überrascht die Blockade durch die Amerikaner. Auf den zweiten Blick macht der Schritt jedoch viel Sinn. Denn was die Iraner versuchen, ist, ihren Vorteil in der Meeresenge zu zementieren. Seit der Machtübernahme durch die Mullahs nutzen die Tanker die Gewässer Omans, um durch die Meeresenge zu kommen, und nicht die Gewässer des Irans. 

50 Jahre war das gängige Praxis. Wenngleich die Iraner immer wieder für Ärger gesorgt hatten und die Reedereien erpressten. Und das ist kein kleines Vergehen, sondern ein Verstoss gegen das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS), das beispielsweise auch die Strasse von Singapur und von Malakka schützt. Ein Übereinkommen, das explizit getroffen wurde, um solche Konflikte zu vermeiden. Die Iraner haben, ihren eigenen Worten nach, das Gewässer des Omans mit Minen unbefahrbar gemacht und offerieren den Reedereien nun eine Durchfahrt durch ihre Gewässer. Selbstverständlich gegen entsprechende Bezahlung. Die Blockade der Amerikaner zielt nun darauf ab, dass 1) der Iran selbst kein Öl mehr ausliefern kann und 2) kein Reeder mehr die Erpressungszahlungen leistet, weil sein Schiff sonst von den Amerikanern beschlagnahmt wird.

In der Konsequenz ist es eine klassische mittelalterliche Belagerung. Denn ohne die Ölverkäufe, insbesondere an China, ist der Iran in kürzester Zeit mittellos. Die Taktik funktioniert nicht so gut wie in Kuba, da noch Transportwege über Land und über das Kaspische Meer bleiben, aber die Amerikaner schneiden hier ohne jeden Zweifel die Hauptader des iranischen Cashflows ab. Das mag eine befremdliche Vorgehensweise für Europäer sein. Die regionale Presse übertrumpft sich auch darin, sich über die Politik von Trump lustig zu machen, aber Fakt ist, dass der US-Präsident in der Regel bekommt, was er haben will. Eine Erfolgsquote, von der Politiker im deutschsprachigen Raum nur träumen können.

Für die Wall Street ist die Blockade kein grosses Thema. Es hilft kurzfristig nicht, das ist wahr. Ein Waffenstillstandsabkommen wäre aus Sicht der US-Börse optimal gewesen, aber mit einer Blockade kann man leben, da inzwischen längst die Lieferketten global neu verbunden werden. Der Engpass durch die Strasse von Hormus wird die Asiaten und Amerikaner nur noch einige Wochen beschäftigen, dann normalisiert sich das Angebot wieder.  

Anders sieht es für Europa aus. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft zeigen sich ausgesprochen behäbig. Man reagiert im Zeitlupentempo, bringt keine originären Ideen voran, versucht die Engpässe zu ignorieren und die Lage schönzureden. Während alle anderen ihre nationalen Interessen wahren, warten die Europäer darauf, dass ihnen geholfen wird. So fällt man weiter zurück im globalen Wettbewerb.

 

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

  • New York: Die Bären haben wie erwartet Gewinn mitgenommen.
  • Die Short-Eindeckungsrallye war der einfache Teil. Entscheidend ist die Frage der Anschlusskäufe.
  • Der DAX läuft nur in Sympathie hinterher.
  • Short-Eindeckungen haben auch in Frankfurt geholfen, aber der DAX schafft die 200 Tage-Linie nicht.
  • Iran-Krieg: Die Zeit arbeitet für die Börse.
  • Mittel- bis langfristig gibt es keine Engpässe. Je mehr Zeit vergeht, desto stabiler werden die Lieferketten.
  • Die Spritentlastung aus Berlin kommt spät und fällt mager aus.
  • Klingbeil fordert für eine temporäre Entlastung zudem dauerhafte Steuererhöhungen.
  • Die Öl-Majors sind nicht an hohen Energiepreisen interessiert. Der Sweet Spot liegt in der Mitte. 
  • BP hat den Abwärtstrend von 2006 geknackt. 
  • Shell ist deutlich skeptischer aufgrund der LNG-Fokussierung.
  • Die Amerikaner berichten erst zum Monatswechsel. 
  • Hohe Papierverluste am Terminmarkt eingefahren. 
  • Williams Companies ist kein Iran-Gewinner.
  • US-Banken stehen vor einem Boom.
  • Fed forciert Reform, um Kapitalanforderungen erheblich zu reduzieren.
  • Einstieg bei Bank of America und und JPMorgan Chase.
  • Big Techs - Buy the dip.
  • Alphabet, Broadcom, Meta, Microsoft, Nvidia, Palantir und Tesla.
  • Marvell Technology: Der nächste Verdoppler in weniger als 12 Monaten. 
  • Stop-Loss-Limits: Update
  • Konservatives Musterdepot: Update
  • Spekulatives Musterdepot: Update