Zürcher Finanzbrief Ausgabe 02/26
Der Zürcher Finanzbrief vom 21. Januar 2026
Drei Faktoren saugen den Optimismus aus dem Markt. Die Börse ist stark und sehr optimistisch in das neue Jahr gestartet. Die positiven Impulse kamen dabei in erster Linie von der Wall Street, die weiterhin den Takt vorgibt. Doch mit Beginn der Berichtssaison, der Vorlage der Berichte der Wall Street Banken und der ersten Zahlen der S&P 500 Unternehmen hat der Wind zu drehen begonnen.
Der wichtigste negative Faktor ist das Gewinnwachstum der US-Unternehmen. Die Hausse am Aktienmarkt wird primär durch die Wall Street und sekundär durch die chinesischen Börsen getrieben. Ich hatte Ihnen berichtet, dass die Erwartungen der Wall Street an das Gewinnwachstum der S&P 500 Unternehmen im 4. Quartal sehr hoch sind. Bisher haben 7 % der Unternehmen berichtet und nur 5,8 % haben Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen liegen. Der Durchschnitt der letzten fünf Jahre ist hingegen 7,7 %. Das Delta mag nicht hoch erscheinen, aber die Wall Street bewegt sich auf Rekordbewertungsniveau und braucht überdurchschnittliches Wachstum, um dieses Niveau nicht nur zu halten, sondern in Form weiterer Kurssteigerungen auszubauen. Wer belastet zum Beginn der Berichtssaison? Energie und Gesundheit & Pharma. Noch schwieriger: Nur 67 % der Unternehmen haben bisher die Umsatzerwartungen geschlagen (Durchschnitt: 70 %). Und Umsatzwachstum gewichtet die Börse höher als Gewinnwachstum.
China wächst, aber zieht sein Wachstum vor allem aus dem Ausland. Die Exporte bewegen sich auf Rekordniveau und machen ein Drittel des BIP-Wachstums aus. Das ist der höchste Anteil der Exporte am BIP-Wachstum seit 1997. Das Wachstum der Binnenwirtschaft hingegen driftet nach unten. Und zwar das ganze Jahr über mit einer Beschleunigung des negativen Momentums zum Jahresende hin. Hinzu kommt, dass Peking am Kapitalmarkt auf die Bremse tritt. Man greift aktiv ein, um den Anstieg der Bewertungen auszubremsen. Begründung: Man will keinen überhitzten Kapitalmarkt. Dazu wird der Hochfrequenzhandel eingeschränkt. Man nimmt den institutionellen Investoren den Zeitvorteil, indem man den Zugang zu den Börsenplätzen beendet. Gleichzeitig erschwert man die Wertpapierleihe, nachdem das Leverage einen neuen Rekordwert von 2,7 Bio. Yuan (ca. 332 Mrd. Euro) erreichte. Die Mindestmargenanforderung wurde von 80 % auf 100 % erhöht, was neue Wertpapierkredite erheblich einschränkt. Die Auswirkungen werden sich in einer gedämpften Kursentwicklung in China zeigen.
Aus Europa gibt es keine nennenswerten Konjunkturimpulse. Deutschland, als Motor der gesamten Region, stagniert und fällt im internationalen Vergleich immer weiter zurück. Denn wenn China um 5 % und die USA um 4 % wachsen, dann ist 0 % keine Stabilität, sondern der Rückwärtsgang. Die Anleger setzen dies auch in ihren Asset-Allokationen um. Versorger gehen durch die Decke und Rüstung steht wieder hoch im Kurs. Und Infrastruktur? Die grosse Hoffnung des letzten Jahres? Wie die Bundesbank in einer Studie veröffentlichte, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr das «Sondervermögen» für Infrastrukturprojekte zu 93 % zweckentfremdet. Oder anders gesagt: Von den Erlösen aus der zusätzlichen Staatsverschuldung für Infrastrukturprojekte wurden nur 7 % in Infrastrukturprojekte investiert. Der Löwenanteil floss in «Sonstiges» und «Klimafonds». Das ist Konsum, keine Investition und mündet in höheren Steuerbelastungen.
Die Themen der aktuellen Ausgabe:
- Es riecht nach Konsolidierung in New York.
- Die Wall Street Rallye hält seit 10 Monaten an. Es ist Zeit für eine Verschnaufpause.
- Fehlstart in Frankfurt?
- Wien brennt durch. Zürich folgt Frankfurt.
- Der Grönland-Konflikt legt die Schwäche Europas offen.
- Trump bleibt der stärkste Katalysator für höhere Kurse bei Rüstungsaktien.
- Nach einem schwachen Herbst sind Rüstungsaktien wieder oben auf.
- Rheinmetall und Leonardo brechen oben aus.
- US-Rüstungssektor bleibt das Epizentrum der Rallye.
- Die Czechoslovak Group ist eine dringende Zeichnungsempfehlung.
- Kleiner als Rheinmetall, aber wesentlich höhere Wachstumsraten.
- Versorger: Die neuen sicheren Häfen.
- Europäische Versorger-Aktien gehen durch die Decke.
- RWE schiesst den Vogel ab: 58 % Performance in 10 Monaten.
- E.ON ist (endlich) aus dem Seitwärtstrend ausgebrochen.
- Iberdrola mit starkem Geschäft und starker Performance an der Börse.
- Bei Verbund arbeiten wir ab jetzt mit einem Stop-Buy-Limit.
- Brüssel ruiniert die europäischen Sportwagenhersteller.
- Porsche hat -10 % seines Absatzes eingebüsst.
- Ferrari: Neues, tiefes Abstauberlimit.
- Xiaomi wird der grosse Gewinner im europäischen Sportwagenmarkt werden.
- Brüssel hat das Tor für das trojanische Pferd aus China geöffnet.
- Stop-Loss-Limits: Update
- Konservatives Musterdepot: Update
- Spekulatives Musterdepot: Update
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