Zürcher Finanzbrief Ausgabe 20/26

Der Zürcher Finanzbrief vom 30. September 2026

Zürcher Börsenbriefe - Zürcher Finanzbrief Ausgabe 20/26

 

Die Renditen steigen, bis etwas bricht. Die Hoffnung des Kapitalmarktes war es, dass die Zinserhöhung der Federal Reserve und die Prognose, dass es weitere Zinserhöhungen geben wird, schon ausreicht, um den Gläubigern die Sorgen zu nehmen. Doch die Zinswende im US-Dollar reichte gerade einmal aus, um den Anleihemarkt für wenige Tage zu pausieren. 

Mitte vergangener Woche brach dann der Damm. Nachdem im Sommer bereits für die 30-jährigen T-Bonds die langjährige Unterstützung bei 5 % p. a. durchbrochen wurde, kippte diese Unterstützung nun auch für die 10-jährigen T-Notes. Und das ist wirklich entscheidend, denn mehr Liquidität und Tiefe als bei diesen Anleihen finden Sie weltweit nirgendwo. Der Bruch ist klar und eindeutig und hat damit ein neues, globales Verkaufssignal für Anleihen gegeben. 

Staatsanleihen bilden das Renditenfundament für jeden Währungsraum. Alle anderen Bonitäten ordnen sich im Hinblick auf die Höhe der Renditen darüber ein. Quasi ein Offset zu der vergleichbaren Staatsanleihe. Wenn, wie im aktuellen Szenario, die Renditen der Staatsanleihen stark steigen, steigen entsprechend die Renditen für Unternehmensanleihen umso deutlicher, je geringer ihre Bonität ist. Eine AA-Unternehmensanleihe vollzieht im Kern den Renditenanstieg der Staatsanleihen 1 zu 1 nach, aber eine Junk Bond Anleihe sieht ihre Rendite auf Endfälligkeit überproportional steigen. Ein Ergebnis der geringeren Nachfrage nach niedrigen Bonitäten. Das gleiche Schema passiert hinter verschlossenen Türen bei Unternehmenskrediten. Hat Ihr Unternehmen eine geringere Bonität bei der Bank und müssen Sie demnächst prolongieren, wird die Bank erhebliche Risikoaufschläge verlangen. 

Geschäftsmodelle mit geringen Margen und hohem Kapitaleinsatz sind am meisten gefährdet. Wenn ein Unternehmen kaum Puffer hat und auf externe Finanzierungen angewiesen ist, ist schnell der Punkt erreicht, an dem es kritisch wird. Daher müssen Sie jetzt damit rechnen, dass etwas querschiesst und kaputt geht. Solange es Ihren Teil im Portfolio nicht tangiert, wird es nur ein Schreckmoment sein, aber wenn sich grosse Ausfälle in den kommenden Monaten und Quartalen häufen sollten, kann das die Stimmung an der Börse erheblich verschlechtern. 

Die Zeit für Vollgas an der Börse ist erst einmal vorbei. Die Grundsituation, insbesondere bei den amerikanischen Unternehmen, ist immer noch sehr stark. Wir sehen in den USA im Schnitt ordentliches Wachstum und sehr zufriedenstellende Margen. Das wird sich etwas moderieren in den kommenden Quartalen, wobei Geschäftsmodelle, die selbst genügend Cashflow produzieren, davon weniger berührt werden. 

Europa ist ein ganz anderes Thema. Die Privatwirtschaft hat kaum Puffer, vor allem in den Ländern, wo die Staatsquote exzessiv hoch ist. Mit den steigenden Renditen folgt eine Investitionszurückhaltung, die schnell in den Quartalsberichten spürbar wird. Das Risiko eines grossen «Unfalls» ist in Europa auch deutlich höher als in den USA. Wir begegnen diesem Szenario mit verstärkten Absicherungen unserer Positionen. 

 

Die Themen der aktuellen Ausgabe:​

  • Nasdaq: Climbing the wall of worry
  • Ist das Anthropic IPO abgehakt, ist der Put der Banken weg.
  • Frankfurt bleibt in der Warteschleife.
  • In Wien spielen die Bullen Pump-and-Dump.
  • Gold (und Silber) gefährdet.
  • Der natürliche Feind von Gold sind steigende Renditen. 
  • 4.000 US-Dollar je Feinunze muss halten.
  • China baut strategische Goldinvestments stark aus.
  • Fokus auf die Banken - sie setzen das Vorzeichen der Berichtssaison.
  • Bern tut sich mit der Lex UBS keinen Gefallen.
  • JPMorgan Chase macht den Anfang und ist die einzige Bank die wirklich positiv überraschen kann.
  • Zurückhaltung bei Bank of America, BlackRock, Deutscher Bank und Goldman Sachs.
  • AI in Europa ist tot - wer ist der Schuldige?
  • Comeback der Chemie bekommt Momentum.
  • Einordnung Übernahmeversuch von Evonik durch BASF.
  • Käufe
  • Short-Rallye bei LVMH?
  • Sandoz: Aufgesprungen.
  • SpaceX ist uns ins Depot gespült worden.
  • Stop-Loss-Limits: Update
  • Konservatives Musterdepot: Update
  • Spekulatives Musterdepot: Update