Zürcher Finanzbrief Ausgabe 05/26

Der Zürcher Finanzbrief vom 04. März 2026

Zürcher Börsenbriefe - Zürcher Finanzbrief Ausgabe 05/26

 

Die Börse unterschätzt die Risiken. Dass die USA den Iran angreifen werden, war ein offenes Geheimnis. Die Frage war nicht ob, sondern wann. Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, wie ignorant der Aktienmarkt sich im Vorfeld positioniert hatte. Und damit meine ich vor allem die europäischen und asiatischen Märkte, denn die Wall Street ist immer als letztes betroffen, wenn ein Krieg auf der anderen Seite des Globus ausbricht. Insbesondere dann, wenn die Amerikaner ihn auch noch kontrollieren. 

Nvidia war in der vergangenen Woche der Lackmustest für die Risikofreudigkeit. Es war der letzte und wichtigste Bericht der Quartalssaison und das Ergebnis ist eindeutig: Nicht einmal mit brillanten Zahlen lassen sich auf diesen Bewertungsniveaus noch Anschlusskäufe in den Markt holen. Damit sind die Chancen nach oben gekappt, während die Risiken eines neuen Krieges im Nahen Osten bis dato noch nicht eingepreist waren (und sind). 

Der Energie-Sektor ist der Krisengewinner. Wie immer preist der Markt umgehend Knappheitspreise am Terminmarkt ein, denn Energie ist ein Spot-Markt, der 365 Tage im Jahr bedient werden muss. Fällt eine wichtige Region aus, wirkt sich das umgehend in Lieferlücken aus. Aufgrund der langen Lieferzeiten wird die Realwirtschaft weiterhin bedient, aber halten die Unterbrechungen aus dem Golf an, steigen nicht nur die Preise, sondern auch die Verteilungskämpfe. Kurzfristig versuchen (natürlich) die Amerikaner, ihren Profit aus der selbst initiierten Krise zu schlagen. LNG-Exporteure wie Cheniere Energy und Venture Global bieten Kunden in Europa und Asien Ersatzlieferungen zu horrenden Preisen an. Die Preisaufschläge betragen bis zu 50 %. Auch die Majors profitieren von der Krise, was sich in steigenden Aktienkursen von Titeln wie BP, Chevron, ExxonMobil und Shell in Ihrem Portfolio widerspiegelt. Wir sind ausgezeichnet auf diese Krise vorbereitet. 

Capex ist der Verlierer. Alle Branchen, deren Wachstum von hohen Investitionen abhängen, droht nun eine Korrektur. Warum? Weil sich das Fenster der Opportunität am Anleihemarkt geschlossen hat. Insbesondere die Renditen am amerikanischen Unternehmensanleihemarkt waren zuletzt kaum von denen der US-Staatsanleihen zu unterscheiden. Das dreht nun, und die Spreads weiten sich aus, weil die Anleger ihr Kapital aus Unternehmensanleihen abziehen. Wir sehen das auch besonders eindrucksvoll bei den gelisteten Private Credit Fonds, die erhebliche Redemptions bekommen. Die Probleme, die Fondsgesellschaften wie Blue Owl damit haben, dürften inzwischen bekannt sein. Der Kapitalabfluss beschränkt sich auch nicht auf exotische Vehikel, sondern geht in die Breite. Blackstone meldete, dass ihr Flaggschiff im Private Credit Markt Rekordverkäufe in Höhe von derzeit 7,9 % des gesamten Fondsvolumens sieht. Die Fonds können solche Anteilsverkäufe nur bedienen, wenn sie wiederum ihre Assets in den Markt verkaufen, was die Marktrenditen in die Höhe schnellen lässt. 

Der Anleihemarkt ist der erste, der fällt. Der Aktienmarkt folgt, wobei Asien und Europa am stärksten von Kapitalabflüssen betroffen sind. Ich hatte Ihnen bereits zu vielen Verkäufen geraten. Weitere werden folgen. Beachten Sie bitte die Stop-Loss-Limits.

 

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

  • Die Wall Street fällt als letztes.
  • Im Abwärtstrend schauen wir nicht auf die USA.
  • Frankfurt bietet keinen Schutz.
  • Energie ist die Achillesferse Deutschlands.
  • Zürich: Allzeithoch hat nur kurz gehalten.
  • Wien hat gedreht, jetzt folgt Zürich. 
  • Peak AI?
  • Engpass am Speicherchip-Markt wird durch die Nachfrageseite beendet werden.
  • Nvidia hat übererfüllt und dennoch enttäuscht. 
  • Software-Aktien stark überverkauft.
  • Der Abverkauf der Software-Aktien ist völlig überzogen und die Begründung ist falsch. 
  • Bei Adobe greifen wir zu.
  • Salesforce fassen wir mit einem tiefen Abstauberlimit.
  • Ist die Entertainment-Baisse zu Ende?
  • Der Rückzug von Netflix ist die richtige Entscheidung.
  • Wir sind perfekt eingestiegen. 
  • Die Lage bei Disney bleibt unverändert.
  • Roblox kann bis auf 100 US-Dollar steigen. 
  • Deutscher Medienmarkt leider uninteressant. 
  • Käufe
  • Affirm ist uns ins Netz gegangen. 
  • Kann Apple die Stimmung auf dem Sonder-Event drehen?
  • Aryzta senkt die Verschuldung deutlich und bestätigt eine gute operative Entwicklung.
  • Stop-Loss-Limits: Update
  • Konservatives Musterdepot: Update
  • Spekulatives Musterdepot: Update