Activision: Corona-Gewinner

Aktien steigen Richtung Allzeithoch

 

Der Erfolg von Activision Blizzard besteht in der Verpackung. Man hat es geschafft, grosse Spiele-Hits immer und immer wieder neu zu verpacken und zu verkaufen, ohne dabei den erfolgreichen Kern zu verändern. Ein bemerkenswertes Konzept, das im Wesentlichen die Idee von Disney widerspiegelt, um einen erfolgreichen Kern über einen langen Zeitraum neue und erfolgreiche Brands aufzubauen und eine treue Community zu etablieren. 

Das Softwareunternehmen besteht im Grunde aus drei verschiedenen Unternehmen, die fusioniert bzw. übernommen wurden: 1) Activision, 2) Blizzard und 3) King. 

Was alle drei Unternehmen gemeinsam haben, ist mindestens ein grosser Hit, der immer und immer wieder abgespielt wird. Man ist vor vielen Jahren, teilweise vor Jahrzehnten, auf einen Spieltyp gestossen, der die Kunden begeistert und bietet seitdem diesen Spieltyp in immer neuen Verpackungen, Variationen und Derivaten auf allen passenden Plattformen an. 

 

Activision Blizzard Inc.

 

Auf den ersten Blick ist das Produktportfolio eine Enttäuschung. Denn es sind zwar sehr erfolgreiche, aber inzwischen sehr alte Brands. King ist mehr oder weniger ein One-Hit-Wonder, das Candy Crush heisst und sicherlich vielen Lesern bekannt ist. Es ist ein einfacher und schneller Zeitvertreib am Handy. Bei Activision dreht sich alles um Call of Duty, eine Hit-Serie, die seit den 90er-Jahren Kriegsgefechte in allen nur erdenklichen Varianten umsetzt. Danach kann man noch auf die Tony Hawk Serie und Skylanders als grosse Erfolge verweisen. Bei Blizzard besteht die grösste Abwechslung mit Spielen wie Diablo, Overwatch und vor allem World of Warcraft. 

Activision Blizzard hat es verstanden, die grossen Hits über Jahre zu melken. Man tut alles, um, um jedes erfolgreiche Spiel, eine Gemeinschaft herum zu bilden, die das Spiel lange und ausführlich spielt und bereit ist, immer neue Varianten und Erweiterungen davon zu kaufen. Und das funktioniert erstaunlich gut. Viele Spiele zielen darauf ab, die Benutzer bei Laune zu halten, indem sie ausgeklügelte (digitale) Belohnungssysteme enthalten, die das Unterbewusstsein ansprechen und den Spielenden glücklich machen. 

 

Beispiel World of Warcraft

 

World of Warcraft - kurz WoW - ging 2004 erstmalig an den Verkaufsstart und erlaubt es miteinander in einer virtuellen Welt zu spielen. Das Online-Rollenspiel war auf Anhieb ein Hit und durchbrach fünf Jahre nach dem Start die Marke von 10 Mio. Spielern weltweit. Insgesamt gibt es mehr als 100 Mio. registrierte Spieler weltweit und Blizzard hat mit diesem Brand insgesamt mehr als 10 Mrd. Dollar Umsatz erzielt. Aktuell wird die achte Erweiterung fertiggestellt und soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Was Activision Blizzard dringend braucht, ist frisches Blut. Nehmen Sie die Skateboard-Spielreihe als Beispiel. Tony Hawk ist sicherlich der beste Skateboarder der Welt, aber er hat 1999 das letzte Mal an einem regulären Wettbewerb teilgenommen. Wer heute unter 25 Jahren alt ist, kennt den Namen wahrscheinlich nur noch aus dem Archiv. Und von der Activision-Spielreihe. 

Die gute Nachricht ist, dass Activision Blizzard genug Kapital hat, um den nächsten Hit zu finden. Das Unternehmen setzt im Quartal zwischen 1,6 und 1,8 Mrd. Dollar um und hat dabei eine operative Marge jenseits der 30 % Marke. Das operative Ergebnis liegt entsprechend pro Quartal zwischen 550 und 620 Mio. Dollar. Je nachdem wie man die monatlich aktiven Benutzer der Spiele zählt, verfügt Activision Blizzard über ein Auditorium von 300 bis 400 Mio. Kunden. Das ist eine fantastische Ausgangslage, um einen neuen Hit zu vermarkten. 

 

Corona-Gewinner

 

Die Lockdowns spielen Activision Blizzard natürlich in die Hand. Die Börse nimmt ausgesprochen positive Zahlen für das 2. Quartal schon längst vorweg. Wir hatten Ihnen die Aktie im Zürcher Finanzbrief 02/20 zum Kauf empfohlen. Die Position ist am 22. Januar zum Schlusskurs von 60,32 Dollar an der Nasdaq bei uns aufgenommen worden. Im März-Crash litt die Aktie, aber der Einbruch wurde durch den Optimismus der Anleger abgedämpft, dass Activision Blizzard einer der wenigen Gewinner der Corona-Krise sein wird. Der Rebound seit Mitte März ist ebenfalls sehr stark und die Aktie notiert aktuell über 75 Dollar. 

 

Im Ergebnis: Lassen Sie die Aktie in die Berichtssaison hinein laufen. Dass wir enttäuschende Zahlen sehen werden, ist so gut wie ausgeschlossen. Das die Börse mehr erwartet, als Activision Blizzard liefern kann, ist möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Doch kurzfristige Volatilität akzeptiere ich. Langfristig schaue im Kern darauf, dass die Aktie auf monatlicher Basis bei mehr als 83 Dollar schliesst. Das ist der wichtigste Lackmustest. Bitte die Position halten. (Activision Blizzard Inc., ATVI, ISIN US00507V1098, WKN A0Q4K4)

 

Activision Blizzard Tabelle

 

26.06.2020 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 







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