Zürcher Finanzbrief Ausgabe 13/26
Der Zürcher Finanzbrief vom 24. Juni 2026
Liquidität, Liquidität, Liquidität. Es mangelt der Börse nicht an Equity-Stories, sondern es schleicht sich die Sorge ein, dass in Zukunft nicht genug Kapital zu akzeptablen Preisen zur Verfügung steht, um die Bewertungen der Schwergewichte am Aktienmarkt noch zu tragen.
Liquidität kommt und geht still und leise. Sie kündigt sich nicht an, und niemand wird Sie darauf aufmerksam machen, dass weniger Liquidität zur Verfügung steht als beispielsweise vor drei oder sechs Monaten. Was vor allem daran liegt, dass es keine echte und verlässliche Benchmark für Liquidität gibt. Am besten kann man die verfügbare Liquidität an zugespitzten Events wie Auktionen festmachen. Daher schauen die Profis darauf, wie stark beispielsweise die Emissionen von neuen Staatsanleihen von der Nachfrageseite gedeckt sind, und natürlich wie stark die Bücher bei grossen Emissionen am Aktienmarkt überzeichnet sind.
Etwas mathematischer wird es beim Preis des Kapitals. Denn jeder Kapitalgeber hat selbstverständlich die Wahl, wo er sein Kapital investiert. Investiert ist es immer, denn selbst als Bankeinlage wird es verzinst und produktiv genutzt. Geldmarktfonds und kurzlaufende Staatsanleihen sind der nächste Schritt und bilden die Benchmark für die Preisbildung des Kapitals. Denn diese Investments sind die risikofreie Basis, und der Kapitalgeber schaut, was er an Rendite bekommt, wenn er kein Risiko eingeht. Alle anderen Investments müssen sich dahinter einreihen, also einen höheren Preis für das Kapital anbieten, da sie ein höheres Risiko beinhalten.
Im US-Dollar ist der Basispreis für Kapital inzwischen sehr hoch. Selbst wenn Sie Ihr Kapital nur monatlich festlegen, ergibt sich eine annualisierte Rendite von 3,65 %. Das ist mehr als beispielsweise die Europäer für 10-jährige Bunds bekommen. Das lange Ende im US-Dollar liegt zwischen 4,5 % (10 Jahre) und 4,9 % (20 + 30 Jahre). Sie können heute also eine 30-jährige US-Staatsanleihe kaufen und bekommen bis zur Tilgung jedes Jahr 4,9 % Zinsen. Ob Baisse, ob Hausse, ob Krieg, ob Frieden. Das ist ein ordentliches Angebot, kann aber noch getoppt werden.
Gefährlich für den Aktienmarkt wird es, wenn die Zinsstrukturkurve in diesem Jahr zu sinken beginnt. Das wäre ein klares Signal dafür, dass das Kapital in die sicheren Häfen flüchtet, denn die Renditen sinken bekanntlich, wenn die Nachfrage steigt. Und die Nachfrage nach US-Staatsanleihen wird dann deutlich zulegen, wenn sie das beste Investment am Markt geworden sind.
Kevin Warsh und die Emissionen der Big Techs saugen Liquidität(sbereitschaft) aus dem Markt. Der Antritt von Warsh fiel anders aus, als es sich die Wall Street erhofft hatte. Ich hatte Sie diesbezüglich bereits gewarnt und Sie darauf vorbereitet, was Sie erwarten müssen. Zur Analyse seiner Antrittsrede gleich mehr. Echtes Kapital saugen derzeit die Emissionen auf. Und da reden wir nicht nur über die IPOs von Schwergewichten wie SpaceX, Anthropic und OpenAI, sondern auch über die zahlreichen Kapitalerhöhungen links und rechts. Denn alle, die frisches Kapital für ihre operative Expansion brauchen, nehmen derzeit so viel auf wie möglich, falls das Fenster der Opportunität sich bald schliessen sollte.
Die Themen der aktuellen Ausgabe:
- Jetzt wird es spannend in New York.
- Das Ende einer Rallye wird nicht von Fakten, sondern von Emotionen bestimmt.
- Hoher Liquiditätsbestand im Zürcher Finanzbrief.
- Signalisiert der KOSPI das Ende der AI-Rallye?
- Bei einer Rallye fällt immer der König als Letztes.
- Warsh: Keine Taube, sondern ein Falke.
- Der neue Fed-Chair erhöht den Preis für Kapital.
- EZB: Lagardes Kompetenz offenbart sich.
- Es riecht nach 2011.
- Die Schweiz hat kein Inflationsproblem. Sie hat ein Währungsproblem.
- Starke Aufwertungsbewegung beim US-Dollar.
- AI-Rallye spitzt sich weiter zu.
- Micron vor den Zahlen. Worauf Sie achten müssen.
- Käufe
- Redcare Pharma bietet das, was die Börse sich von DocMorris erhofft hatte.
- Jahresprognose vorzeitig angehoben.
- GTA VI: Was lange währt, wird endlich gut.
- Ist Take-Two Interactive noch ein Kauf?
- Hypoport: Kauf für das Spekulative Musterportfolio nachgeholt.
- Stop-Loss-Limits: Update
- Konservatives Musterdepot: Update
- Spekulatives Musterdepot: Update
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