Zürcher Goldbrief Ausgabe 10/26
Der Zürcher Goldbrief vom 20. Oktober 2026
Die Oktober-Ausgabe 2026 des Zürcher Goldbriefs steht im Zeichen geopolitischer Herbststürme, hoher Energiepreise und zunehmender Spannungen an den Finanzmärkten. In den USA treffen historisch hohe Benzin- und Dieselpreise auf den Wahlkampf vor den Kongresswahlen, während die Konflikte am Persischen Golf und am Roten Meer ungelöst bleiben. Gleichzeitig verschärfen sich auch in Europa die politischen und wirtschaftlichen Spannungen. Besonders Frankreich rückt dabei wegen steigender Anleiherenditen, hoher Verschuldung und wachsender Refinanzierungsrisiken in den Fokus.
Damit beschäftigt sich die Ausgabe ausführlich mit dem Währungsrisiko des Euro. Die Redaktion sieht strukturelle Probleme in schwachem Wirtschaftswachstum, hoher Staatsverschuldung, mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und steigenden Ausgaben. Die Kapitalmärkte beginnen diese Risiken wieder stärker einzupreisen. Besonders der wachsende Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen erinnert laut Goldbrief an Mechanismen der vergangenen Euro-Staatsschuldenkrise. Eine erneute Ausbreitung von Bonitätsproblemen auf mehrere Mitgliedstaaten könnte deshalb auch den Euro erheblich unter Druck setzen.
Einen Schwerpunkt bildet zudem die Frage, wie stark Gold tatsächlich von der Zinsentwicklung abhängt. Die Redaktion untersucht dazu kurzfristige US-Leitzinsen, langfristige nominale Anleiherenditen und Realzinsen. Das Ergebnis fällt differenzierter aus als die häufig verwendete Faustregel, wonach steigende Zinsen automatisch schlecht für Gold seien. Über lange Zeiträume zeigen die Daten keine ausreichend stabile Beziehung. Deutlich wichtiger erscheinen Inflationserwartungen, geopolitische Risiken, Zweifel an der Tragfähigkeit von Staatsschulden und die Nachfrage der Zentralbanken.
Auch Silber erhält erneut besondere Aufmerksamkeit. Der Goldbrief bezeichnet das Metall als „Wildcard der disruptiven Ära“ und beschäftigt sich mit einer möglichen Wiederentdeckung seiner monetären Funktion. Erste Entwicklungen wie die Verwendung von Silber als Kreditsicherheit in Indien oder die Anerkennung von Gold und Silber als Zahlungsmittel in einzelnen US-Bundesstaaten werden als Hinweise auf eine solche Neubewertung interpretiert. Gleichzeitig bleibt das physische Angebot knapp: Für 2026 erwartet das Silver Institute laut Ausgabe das sechste Defizitjahr in Folge.
Schliesslich rücken auch Edelmetall-Minenaktien stärker in den Blick. Die hohen Gold- und Silberpreise haben die operativen Margen vieler Produzenten deutlich verbessert, während zahlreiche Unternehmen inzwischen disziplinierter mit Kapital und Kosten umgehen. Trotzdem liegen Minenaktien relativ zum Goldpreis noch weit unter früheren Bewertungsniveaus. Die Redaktion sieht deshalb erhebliches Aufholpotenzial, weist aber zugleich auf die zusätzlichen unternehmerischen und aktienspezifischen Risiken hin. Insgesamt bleibt die Oktober-Ausgabe damit konstruktiv für Gold, Silber und ausgewählte Minenwerte, insbesondere als Absicherung gegen Währungs-, Inflations- und geopolitische Risiken.
Die Themen der aktuellen Ausgabe:
- Geopolitische Herbststürme: Wie hohe Energiepreise, die US-Zwischenwahlen und die Konflikte am Persischen Golf, am Roten Meer und in Europa die politischen Risiken verschärfen
- Das Währungsrisiko des Euro: Warum schwaches Wachstum, hohe Staatsschulden und steigende Renditen neue Zweifel an der Stabilität der Gemeinschaftswährung wecken
- Gold & Zinsen: Weshalb Leitzinsen, Nominalrenditen und Realzinsen allein die langfristige Entwicklung des Goldpreises nur unzureichend erklären
- Silber – die Wildcard der disruptiven Ära: Wie Angebotsdefizite, Inflation und eine mögliche Wiederentdeckung seiner Geldfunktion Silber strategisch aufwerten könnten
- Wachgeküsste Edelmetall-Minenaktien: Warum steigende operative Margen und niedrige relative Bewertungen neues Aufholpotenzial bei Gold- und Silberminen schaffen könnten
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