Zürcher Goldbrief Ausgabe 08/26
Der Zürcher Goldbrief vom 20. August 2026
Die August-Ausgabe 2026 des Zürcher Goldbriefs zeichnet das Bild einer weiter eskalierenden geopolitischen und wirtschaftlichen Lage. Der zwischenzeitliche Deal zwischen den USA und dem Iran ist gescheitert, eine dauerhafte Lösung für den Konflikt um die Strasse von Hormus bleibt aus. Gleichzeitig verschieben sich die Machtverhältnisse am Golf: Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan rücken sicherheitspolitisch enger zusammen, während das Vertrauen in die USA als Schutzmacht nach Einschätzung der Redaktion schwindet.
Die wirtschaftlichen Folgen reichen weit über den Ölpreis hinaus. Extrem hohe Kriegsversicherungsprämien, stark gestiegene Frachtraten und sinkende strategische Ölreserven verteuern die gesamte Lieferkette. Hinzu kommen zerstörte oder stillgelegte Raffineriekapazitäten im Nahen Osten und in Russland. Besonders deutlich zeigen sich die Spannungen beim sogenannten Crack Spread, also den Raffineriemargen für Diesel und andere Erdölprodukte. Die Ausgabe warnt deshalb vor erheblichen Risiken für Energie-, Transport- und Lebensmittelpreise.
Diese Entwicklung fügt sich nach Einschätzung der Redaktion in einen breiteren Rohstoff-Superzyklus ein. Geopolitische Risiken, Unterinvestitionen und langfristig steigende Nachfrage treffen auf begrenzte und teilweise schwer ausweitbare Angebote. Gold nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Zentralbanken betrachten das Edelmetall zunehmend als neutrales Reserve-Asset zur Absicherung gegen Inflation, politische Risiken und Gegenparteirisiken. Vor allem China und Indien bleiben wichtige Nachfrager und bauen ihre Goldbestände beziehungsweise die Bedeutung von Gold als Vermögensreserve weiter aus.
Auch Silber gewinnt deutlich an strategischer Bedeutung. Die Ausgabe verweist auf den Ausbruch des Silberpreises über die Marke von 50 US-Dollar und damit aus einer jahrzehntelangen Seitwärtsbewegung. Neben der industriellen Nachfrage und dem strukturellen Angebotsdefizit rückt dabei vor allem der physische Besitz stärker in den Vordergrund. Die Redaktion sieht darin eine mögliche Neubewertung der monetären Funktion von Silber und spricht von einem langfristigen Aufwärtstrend, der auf mehreren fundamentalen Faktoren beruht.
Schliesslich richtet sich der Blick auf Platin. Das Metall profitiert von einem kleinen und konzentrierten Angebot, einem anhaltenden Marktdefizit und seiner Bedeutung für Automobilindustrie, Chemie, Schmuck und Wasserstofftechnologie. Gleichzeitig erscheint Platin im historischen Vergleich zu Gold nach Einschätzung der Redaktion deutlich unterbewertet. Sollte der Kapitalmarkt das Metall künftig stärker als knappes physisches Vermögensgut und weniger ausschliesslich als Industriemetall betrachten, könnte daraus ein neuer Investment-Case entstehen. Insgesamt sieht der Zürcher Goldbrief damit bei Gold, Silber und Platin gute Voraussetzungen für eine zunehmende strategische Bedeutung in einem weiterhin ausgesprochen unsicheren Marktumfeld.
Die Themen der aktuellen Ausgabe:
- Wo ist die Ausfahrt aus dem Golfkonflikt?: Warum der Konflikt um die Strasse von Hormus ungelöst bleibt und sich gleichzeitig die strategischen Allianzen am Golf verschieben
- Die Sicker-Kaskade des Ölschocks: Wie Kriegsversicherungen, Frachtraten und sinkende strategische Reserven die Kosten entlang der gesamten Lieferkette erhöhen
- Collateral Damage & Crack Spread: Weshalb zerstörte Raffineriekapazitäten und knappe Dieselbestände zu einem neuen Energiepreisschock führen könnten
- Gold-Staubsauger China & Indien: Warum beide Länder Gold weiterhin als strategische, monetäre und kulturelle Vermögensreserve betrachten
- Der Silbermond: Weshalb der Ausbruch über 50 Dollar und die steigende Bedeutung physischen Silbers für einen langfristigen Aufwärtstrend sprechen könnten
- Der neue Investment Case für Platin: Wie Angebotsdefizite, geringe Lagerbestände und eine mögliche Neubewertung als physischer Vermögenswert Platin neue Chancen eröffnen
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