Zürcher Finanzbrief Ausgabe 18/26
Der Zürcher Finanzbrief vom 02. September 2026
Warsh kriegt es nicht hin. Der neue Fed-Chair hatte drei grosse Gelegenheiten, die Inflationserwartungen des Kapitalmarktes in den letzten Monaten zu verankern. Keine einzige davon hat er genutzt, um zu zeigen, dass er es ernst meint. Stattdessen nur Worthülsen, die ihm keiner abnimmt und die keiner mehr will. Die Ironie: Laut Warsh ist Inflation eine Wahl. Da er nichts gegen steigende Preise unternimmt, heisst das wohl, dass er die Inflation wählt.
Unklar ist nur, ob er es nicht kann oder nicht darf. Zu Recht muss man den Hinweis ernst nehmen, dass Trump vor den Mid-Terms (03.11.) keine Zinserhöhung von der Federal Reserve sehen möchte. Seine Chancen beim Wahlvolk haben bereits durch den Misserfolg im Iran schwer gelitten. Abgesehen davon, dass er sich immer damit gebrüstet hatte, keine Kriege zu beginnen, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, leiden die Amerikaner unter den hohen Energiepreisen. Als noch ein Exportverbot galt, waren die USA weitgehend von der Preisbildung am internationalen Terminmarkt unabhängig, doch heute spiegelt sich jeder Konflikt sofort im Benzinpreis wider. Was die Zustimmungsrate Trumps unter Druck setzt. Und:
Trump hat nur eine hauchdünne Mehrheit im Kongress. Sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. Es braucht also keinen gewaltigen Erfolg der Demokraten, sondern nur genügend Protestwähler, und die Republikaner verlieren ein Haus oder sogar beide. In diesem Szenario könnte er in der zweiten Hälfte seiner aktuellen Amtszeit zu deutlich mehr Kompromissen gezwungen werden.
Es hatte früher Tradition, dass die Federal Reserve vor einer Wahl die Füsse still hält. Man wollte nicht den Eindruck erwecken, dass man politisch ist und Einfluss auf das Wahlverhalten nimmt. Diese Tradition ist allerdings in der jüngeren Vergangenheit mehrmals gebrochen worden, sodass es kein implizites Verbot für Warsh gibt, die Zinsen vor den Mid-Terms unverändert zu belassen. Sein Verhalten deutet jedoch sehr stark darauf hin, dass er eine Zinserhöhung so lange wie möglich herauszögern möchte, indem er dem Anleihemarkt gut zuredet.
Warsh spielt mit dem Feuer. Einen Anleihemarkt, der in Panik gerät, kann man nicht mehr stoppen. Er rennt sich schlicht und einfach müde. Das Risiko ist, dass die Renditen sprunghaft steigen und das Sentiment am Aktienmarkt in den Keller ziehen.
Die Themen der aktuellen Ausgabe:
- Steigt das Momentum nach dem Labor Day?
- Der Nasdaq 100 Index muss zwingend nach oben ausbrechen.
- Ist der DAX schon zu weit gelaufen?
- Der 07. September gibt uns die nächste Indikation.
- Die EZB wird im September die Zinsen erhöhen!
- Lagarde steht unter Zugzwang und will ihre Reputation nicht weiter beschädigen.
- Höhere Kapitalkosten im Euro schaden dem Wirtschaftswachstum und werden die Inflation nicht bändigen.
- Die Schweiz paktiert mit China - ein cleverer Schachzug, der sich auszahlen wird.
- Sieg für die UBS! Bern geht auf die Grossbank zu.
- Geberit macht gutes Geschäft, aber ist der Kurs geeignet für einen Einstieg?
- Nvidia hält das Feuer am Brennen.
- Ein klares Kaufsignal für unsere Favoriten.
- Versicherungsaktien bei Rücksetzern kaufen.
- Uniqa und Ping An im Blick.
- Käufe
- Sea kommt tief aus dem Keller.
- Ab welchem Niveau wird Alibaba wieder interessant?
- Verkäufe
- Aroundtown, Holcim und Hypoport müssen gehen.
- Stop-Loss-Limits: Update
- Konservatives Musterdepot: Update
- Spekulatives Musterdepot: Update
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