Zürcher Finanzbrief Ausgabe 01/26

Der Zürcher Finanzbrief vom 07. Januar 2026

Zürcher Börsenbriefe - Zürcher Finanzbrief Ausgabe 01/26

 

Man braucht AI, eine risikobereite Börse und billige Energie für ein erfolgreiches Jahr 2026. China und die USA erfüllen dafür alle nötigen Voraussetzungen. Europa erfüllt hingegen nicht eine einzige Voraussetzung. Damit sind die Claims bereits am Jahresbeginn abgesteckt. Die Hauptstorys werden sich in New York und Hongkong abspielen, während wir in Frankfurt und Zürich die Sidestorys spielen werden, wozu die Banken, Versicherungen, die Rüstung und Versorger zählen.

Neben den Grundvoraussetzungen benötigen wir allerdings auch noch Rückenwind vom Zinsmarkt. Insbesondere in den freien westlichen Volkswirtschaften wird sich sehr deutlich zeigen, wer die Zinsen tief genug senkt und wer nicht. China nehme ich bewusst von diesem Effekt aus, da der Staat so umfassend lenkend in die Marktwirtschaft eingreift, was am Ende das Wachstum dominieren wird. 

Im Gegensatz zum Mainstream erwarte ich in den USA umfassende Zinssenkungen in diesem Jahr. Während die Wall Street lediglich eine Zinssenkung auf eine Fed Funds Target Rate von 3,25 % bis 3,50 % eingepreist hat, sehe ich die Rate am Ende des Jahres bei 2,00 % bis 2,25 % und im schlechtesten Fall bei 2,50 % bis 2,75 %. Der Zustand des US-Arbeitsmarktes ist von der letzten Administration durch falsche Statistiken verschleiert worden und ist deutlich schwächer als erwartet, was tiefe Zinsen im US-Dollar nötig macht. Europa hingegen wird durch Bürokratie und toxische Wirtschaftspolitik am Boden gehalten. Da helfen auch niedrigere Zinsen nichts. Sie werden dennoch weiter gesenkt werden, um die steigende Verschuldung der Haushalte abzumildern. Die Schweiz wird wie beim letzten Zinssenkungszyklus vorangehen und als erste Volkswirtschaft in dieser Dekade ab diesem Jahr wieder negative Zinsen am kurzen Ende festsetzen. 

Sie müssen für 2026 mehr Volatilität einplanen als für das vergangene Jahr. Ich erwarte insgesamt ein positives Börsenjahr, aber der Einsatz ist sehr viel höher und damit steigt auch die Unsicherheit der Anleger. Meine Grunderwartung ist, dass wir ein Umfeld sehen werden, das von vielen potenziellen Risiken geprägt sein wird, aber in dem sich am Ende die Chancen durchsetzen werden. 

Die wirklichen Risiken für Ihr Depot liegen jedoch nicht im Offensichtlichen. Das Klumpenrisiko ist das grösste und am einfachsten zu erkennende Risiko, über das nicht gesprochen wird. Die Marktkonzentration ist jenseits jeglicher historischen Normen. Und die Konzentration nimmt nicht ab, sondern 2026 weiter zu. Am US-Markt machen inzwischen 10 Aktien mehr als 35 % der Marktkapitalisierung aus. Das hat es noch nie gegeben. Nicht einmal während der Exzesse von 1929. Das letzte Allzeithoch wurde im Jahr 1932 mit 34,53 % erreicht. Schaut man sich nur die drei grössten Aktien an, entfallen 18,5 % der Marktkapitalisierung auf sie. Die höchste jemals gemessene Konzentration für die Top 3 liegt bei 20,42 % (1941). 

Das zweitgrösste Risiko liegt in einer Fahnenstange am Edelmetallmarkt. Die Grundstory hat unbestritten Bestand, aber die Kurse von Gold und Silber können 2026 ein extremes Blasenniveau erreichen. Wir sind engagiert und geniessen die Rallye, aber am Ende müssen wir dann auch die Gewinne mitnehmen, denn die Edelmetalle sind auf diesen Kursniveaus keine sicheren Häfen mehr, sondern reine Spekulation. 

 

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

  • New York: Zweistelliges Gewinnwachstum für 2026 eingepreist.
  • Das Best-Case-Szenario für die Wall Street ist eine Verbreiterung der Rallye.
  • Frankfurt bricht nach oben aus.
  • Der DAX bleibt ein ausgezeichneter Frühindikator für die US-Benchmarks. 
  • Bitcoin hat sich gefangen.
  • Kommt jetzt der Rebound und ein Boost für das Risk-On Sentiment?
  • AI wird auch 2026 den Börsentrend bestimmen.
  • OpenAI wird seine Infrastrukturkosten durch ein IPO lösen.
  • Anthropic will OpenAI zuvorkommen.
  • Ölmarkt am Pivot-Punkt.
  • Die Ölkonzerne haben noch zahlreiche Rechnungen in Venezuela offen.
  • Die Geschichte spricht für eine Rückkehr der grossen Majors. 
  • Chevron hat die beste Ausgangslage.
  • Venezuela schuldet ConocoPhillips von 10 Mrd. US-Dollar.
  • ExxonMobil bricht nach oben aus. 
  • China ist der grosse Verlierer der Entmachtung von Maduro. 
  • Der chinesische Aktienmarkt ist der globale Hotspot in 2026.
  • Finanztitel kommen auf die Kaufliste. 
  • Baidu liefert den interessantesten Neuzugang. 
  • Edelmetall-Rallye hat noch viel Potenzial. 
  • Gold wird 2026 alle Rekorde brechen.
  • Silber-Spekulanten sind auf dem Radar der Regierungen gelandet.
  • Stop-Loss-Limits: Update
  • Konservatives Musterdepot: Update
  • Spekulatives Musterdepot: Update